So unklar wie die Entstehung des Dorfes Grüntal ist auch die der Pfarrei St.Johannes: Einer Sage zufolge vom mittelalterlichen Ortsadel, den "Herren von Grüntal" errichtet, findet sich eine Johanneskapelle erst in der Erhebung Grüntals zur eigenen Pfarrei, zu der auch Wittlensweiler, Aach und Hallwangen gehörten. 1583 reichte die kleine  errichtete Kapelle nicht mehr aus, weshalb Herzog Ludwig von Württemberg einen Neubau genehmigte und teilweise auch finanzierte. Zunächst begann der herzogliche Baumeister Georg Beer 1592 mit den Baumaßnahmen, übergab aber bald die Planung und Leitung an seinen Mitarbeiter Heinrich Schickhardt, der später als genialer Baumeister und Städteplaner Berühmtheit erlangen sollte. Schickhardt plante und baute u.a. die ganze Stadt samt Kirche und öffentlichen Gebäuden von Freudenstadt, die Stiftskirche in Herrenberg, die erste evangelische Kirche Frankreichs in Mömpelgard (Montbéliard). Unsere schöne Johanneskirche ist mit ihren Wandfresken im Chorraum und den Apostel-Gemälden an der Westempore ein Schmuckstück, das aus der Umgebung heraussticht. Sie bietet, ohne zusätzliche Bestuhlung, 300 Personen einen Sitzplatz und kann durch zusätzliche Bestuhlung auf 350 Sitzplätze erweitert werden.

Der 400. Geburtstag der Johanneskirche wurde 1992 mit Gottesdiensten, Konzerten, Gemeindefest, einer Ausstellung und einem geschichtlichen Vortrag durch die Kirchengemeinde Grüntal - Frutenhof - Musbach gebührend gefeiert. Höhepunkt war am Jubiläumsfeiertag  der Festgottesdienst am 24. Mai 1992 mit Gemeindefest und liturgischem Abendgebet. Auch eine Festschrift wurde herausgegeben, die über die Geschichte der Kirche und das Gemeindeleben berichtet.

Glasfenster auf der Empore mit Darstellung des Abendmahles, gestiftet von Pfarrer Harzer (1937 - 1950 Pfarrer in Grüntal)

Taufstein von 1592

 

Ein Blick zurück!

Johanneskirche nach der Chorerweiterung 1742

 

Sie war mit Bänken und Stühlen, teils mit  Brusttäfelung und geschwungenen  Rückenlehnen, für die Schultheißen, Richter (Gemeinderäte), Lehrer und Sänger des Kirchspiels ausgestattet.

 


 

Heutiger Grundriss der Johanneskirche


 

Kirchwege des ehemaligen Kirchspieles

Die "alten Kirchwege im Kirchspiel Dornstetten und Grüntal" wurden vor wenigen Jahren vom Schwarzwaldverein Ortsgruppe Dornstetten ausgeschildert. Diese historischen Kirchwege (vermutlich rund 1000 Jahre alt) waren wichtige Verbindungswege zwischen den einzelnen Orten der Kirchspiele. Man nimmt an, dass schon im 8. Jahrhundert, zu Zeiten der ersten Kirche in Dornstetten, die Leute der umliegenden Orte diese Wege rege benützten. Denn die wichtigsten kirchlichen Verrichtungen, wie Spendung des Abendmahls, Tauf-, Ehe- und Sterbesakramente, erfolgten ausschließlich in der Dornstetter Mutterkirche. Zweimal im Jahr wurde in den Kapellen der Kirchspielorte gepredigt. Auf dem Weg zur Taufe nach Dornstetten erfroren im Winter 1581/82 zwei Kinder, einer der Gründe, die 1583, 50 Jahre nach Einführung der Reformation in Württemberg, zur Gründung des Kirchspiels Grüntal führten. Die Grüntaler Pfarrherren (zumeist auch Mesner und Lehrer) betreuten neben Grüntal die Orte Aach, Wittlensweiler, Hallwangen, Frutenhof und Untermusbach. Ab 1584 war im zentral gelegenen Grüntal auch die Volksschule für das Kirchspiel. Obermusbach gehörte damals zu Reichenbach, somit zum katholischen Baden und wurde erst wieder 1646 an das Kirchspiel Grüntal angeschlossen. Die Kirchwege waren auch Markt-, Schul-, und Verbindungswege mit der Oberamtsstadt Dornstetten.

 

Bilder und Zeichnung mit freundlicher Genehmigung der Autorin  Bärbel Kalmbach, entnommen aus: Unterwegs auf den alten Kirchwegen